Disturbed Nature: Drei Kunstler am Rande des Naturlichen: Jurriaan Benschop
Wie verhдlt sich der Mensch zu jenem Teil der Natur, der ihm noch bleibt? Mit dieser Frage ging die Fotografin Anja de Jong (NL, arbeitet in Dordrecht) auf Reisen. Sie besuchte weltweit Orte, an denen ursprьngliche Natur und vom Menschen gestaltete Landschaft noch scharf voneinander abgegrenzt werden kцnnen. In ihren Fotos wird das Unberьhrte der Natur dargestellt, gleichzeitig sieht man es aber auch schon wieder verschwinden, denn jedes Bild enthдlt ein Element der menschlichen Zivilisation (oder Stцrung), etwa ein Grab, eine Reifenspur oder ein Observatorium. In einer Serie klarer, unsentimentaler Schwarz-WeiЯ-Fotos wird der Betrachter unter dem Titel Borderland durch Gebiete gefьhrt, die der Verдnderung unterworfen sind, unter anderem in Hawaii, La Palma, der Antarktis oder Namibia.
Michael Markwick (USA/NL, arbeitet in Dordrecht und Berlin) verbrachte einen Teil seiner Jugend in einer Wohnwagensiedlung am Stadtrand von Michigan. Ein auЯergewцhnlicher Grenzbereich, in dem Natur und menschliche Siedlung, Landschaft und Mьll miteinander verschmelzen. Seine Erinnerungen an diese Zeit bilden den Ausgangspunkt fьr verschiedene Landschaftsbilder, unter anderem Darker Dualities. Die Natur tritt in Markwicks Werk nie in unberьhrter oder reiner Form auf. „Rein“ ist ьberhaupt ein unpassendes Wort fьr seine expressiven Bilder. Jedes einzelne Werk enthдlt widersprьchliche Stimmungen, ist gemischt und vielschichtig: gewalttдtig aber auch gefьhlvoll, dunkel aber auch hell in der Stimmung. Seine einzigartige, expressive Malerhand findet sich auch in den Zeichnungen, in denen Stadt und Land miteinander verflochten werden.
Die Skulpturen von Jeroen Jacobs (NL, arbeitet in Berlin) entstehen in einem Arbeitsprozess, der die Waage zwischen gezieltem Gestalten und „Geschehenlassen“ hдlt. Auffallend an seinen Betonskulpturen ist, dass sie lebendig und beweglich aussehen. Es ist etwas, was man von Beton nicht erwartet: Er formt sich organisch und bewegt sich frei im Raum. Dem Kьnstler gelingt es, dieses sprцde Material zum Leben zu erwecken. Die Werke entstehen aus grьndlicher Beobachtung der materiellen Welt, im Hinblick auf offensichtliche wie auch auf verborgene Eigenschaften. Der Blick des Kьnstlers richtet sich beispielsweise auf die Restform eines Mцbelstьcks oder auf einen Verpackungsstreifen aus Metall, der nach dem Abtrennen eine Zeichnung im Raum bildet. Fьr Jacobs ist entscheidend, wie sich Figuren im Raum verhalten. Erst im Zusammenspiel mit der Architektur entsteht das eigentliche Werk. Sein eigensinniger Gebrauch von Displays unterstreicht dies. Einmal dient es als Sockel fьr eine Skulptur, ein anderes Mal kann der Betrachter selbst darauf sitzen oder teilt es den Raum.
Jurriaan Benschop (NL, arbeitet in Berlin) organisierte bereits Ausstellungen in Amsterdam, Porto, Heerlen und Berlin. Im September 2009 erscheint in den Niederlanden sein Buch ьber Berlin als Kьnstlerstadt (2010 in deutscher Ьbersetzung). Er ist Herausgeber des deutsch-niederlдndischen Bandes Atelier Berlin.


